Über PRTR (Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister)
Ein PRTR (Pollutant Release and Transfer Register) ist eine Umweltdatenbank oder Inventar von potentiell gefährlichen Chemikalien und/oder Schadstoffen, die in Luft, Wasser oder Boden freigesetzt oder auβerhalb des Standortes zur Behandlung oder Lagerung verbracht werden. Laut OECD Council Recommendation [C(96)41/FINAL] ergänzt durch [C(2003)87] sind die Kernelemente eines PRTR Systems folgende:
i. Eine Liste von Chemikalien, Chemikaliengruppen und andere relevante Schadstoffe, die in der Umwelt freigesetzt oder vom Entstehungsort verbracht werden;
ii. Eine integrierte multi-media Berichterstattung über Freisetzungen und Verbringungen (in Luft, Wasser und Boden);
iii. Eine Berichterstattung nach Quellen, wenn nötig sowohl punktuelle als auch diffuse Quellen;
iv. Eine regelmäβige Berichterstattung (vorzugsweise jährlich);
v. Verfügungsstellung der Daten für die Öffentlichkeit.
Einige PRTR schlieβen auch Schätzungen von Freisetzungen aus diffusen Quellen ein, wie aus der Landwirtschaft und aus dem Verkehr, und aus der Nutzungsphase von Produkten. Diese Daten werden von Umweltbehörden zusammengestellt. PRTR Daten können geographisch dargestellt werden, entweder in festgelegter Form oder interaktiv auf dem Internet. Sie können nach Industriesektoren, Anlagen, Chemikalien oder Stoffgruppen aufgeschlüsselt werden. Oft werden zusätzliche Informationen zur Verfügung gestellt, um diese PRTR Daten besser zu verstehen. Nationale PRTRs können sich je nach enthaltenen gefährlichen Chemikalien und Schadstoffen, nach berichtspflichtigen Industrie- oder Geschäftszweigen und nach Art der Freisetzungen unterscheiden. PRTR Daten werden in Form von veröffentlichten Dokumenten, jährlichen Berichten, auf dem Internet und auf CD-ROMs der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Ein PRTR kann ein wichtiges Instrument der globalen Umweltpolitik einer Regierung sein, indem die Berichterstatter zu Reduktionen der Umweltverschmutzung ermutigt werden und eine breite öffentliche Unterstützung der staatlichen Umweltpolitik erzeugt wird. Es kann in der Tat sein, dass Regierungen langfristige nationale Umweltziele darzulegen wünschen, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern, und dann PRTR als ein wichtiges Instrument zu benutzen, um objektiv zu prüfen, wie gut diese Ziele erreicht werden.
Welches sind die Vorteile eines PRTR?
Um Vorteile aus dem PRTR zu gewinnen, brauchen Regierungen klare und schlüssige Antworten auf folgende Fragen:
• Wer erzeugt potenziell schädliche Freisetzungen oder Verbringungen in die verschiedenen Umweltmedien;
• Welche gefährliche Chemikalien und/oder Schadstoffe werden freigesetzt oder verbracht;
• Welche Menge wird über einen bestimmten Zeitraum freigesetzt oder verbracht;
• In welches Medium werden diese Stoffe freigesetzt oder wohin verbracht, und wie viel von jedem Stoff geht in Luft, Wasser oder Boden;
• Wie sieht die geographische Verteilung der Freisetzungen und/oder Verbringungen aus?
Nachdem die Informationen in das PRTR System richtig kategorisiert wurden, sind die staatlichen Behörden in der Lage, jede Freisetzung und Verbringung ständig zeitlich zu verfolgen. Danach können diese Behörden Prioritäten für die Reduzierung oder sogar die Beseitigung der potenziell schädlichsten Freisetzungen setzen. Ein Beispiel dafür sind die Bemühungen, im Rahmen von integrierter Kontrolle und Verhinderung von Verschmutzung, das Risiko dieser Freisetzungen für Menschen und Umwelt zu verhindern oder zu minimieren.
Der PRTR Berichterstattungsprozess selbst trägt bereits zur Verhinderung der Verschmutzung bei, weil es den Berichterstattern, besonders kleinen und mittleren Unternehmen, vor Augen führt, welche Mengen an wertvollen Materialressourcen als gefährliche Chemikalien oder andere Schadstoffe freigesetzt und somit einfach verschwendet werden. In Ländern, die seit einiger Zeit ein PRTR betreiben, führte dies dazu, dass Firmen diese Verschwendung stoppten. Damit wurden Kosten gesenkt, die Effizienz erhöht und die Umwelt geschont.
Die Ergebnisse eines PRTR können dazu dienen, die vorrangigen Kandidaten für die Einführung von Technologien für sauberere Produktion aufzuzeigen.
Nehmen wir das Beispiel von zwei Betrieben, die in ähnlichen Aktivitäten engagiert sind, ähnliche Einsatzmaterialien benutzen und ähnliche Outputs erzeugen, wobei einer der Betriebe über eine viel höhere Freisetzung von bestimmten Chemikalien oder Schadstoffen berichtet. Dies kann bedeuten, dass eine saubere Produktionstechnologie eine gute Investition für den stärker umweltverschmutzenden Betrieb wäre.
Ein PRTR kann einer Regierung dabei helfen, die Ziele zur Verschmutzungsprävention zu erreichen und somit die Last der Kontrollvorschriften, deren Verfolgung und Durchsetzung viel Bürokratie verlangt, zu verringern. Nicht erzeugte Abfälle brauchen keine Entsorgungsanlagen und nicht erzeugte Wasserschadstoffe brauchen keine Kläranlagen. Es ist möglich, dass eine hohe Gesamtmenge an Freisetzungen/Verbringungen für eine bestimmte Chemikalie oder einen bestimmten Schadstoff nicht immer ein hohes Risiko bedeutet, da spezifische in einem PRTR registrierte Chemikalien oder Chemikalienklassen (Alkane, Karzinogene, usw…) sich bezüglich ihres Gefährdungpotenzials unterscheiden. Umgekehrt kann in der Tat eine Chemikalie oder ein Schadstoff mit einem niedrigeren Freisetzung- oder Verbringungsniveau ein gröβeres Risiko bedeuten. Beim Entwerfen eines PRTRs muss also dieses Konzept von Risikodifferenzierung berücksichtigt werden, sowie die Art, wie diese Information der Öffentlichkeit vermittelt wird.
PRTR Ergebnisse stellen sowohl lokale, regionale, nationale wie internationale Informationen zur Verfügung. Mit einem installierten PRTR System können lokale und regionale Behörden den Stand der Umwelt in ihrem Verantwortungsbereich evaluieren und die PRTR Ergebnisse als Input im Evaluierungsprozess der Gesundheits- und Umweltrisiken benutzen. Wenn PRTR Angaben als zentrale Basisdaten zur Evaluierung solcher Risiken benutzt werden, haben staatliche Behörden oder internationale Organisationen die Möglichkeit, Umweltprobleme auf einer schlüssigen und gemeinsamen Basis zu bewerten und zu vergleichen, z. B. bei der Betrachtung verschiedenster Aussetzungs- und Verteilungsarten in der Umwelt von den im PRTR registrierten gefährlichen Chemikalien und Schadstoffen. Mit anderen Worten können PRTR Ergebnisse als Inputdaten in Dispersionsmodellen dienen, um Schätzungen vom Umweltzustand als Ort- und Zeitfunktion zu bekommen.
Ein PRTR kann Daten für versehentliche Freisetzungen wie zum Beispiel Verschüttungen oder Emissionen aus einem Brand in einer Industrieanlage bieten. Hinzukommt, dass PRTR Daten in Debatten über Landnutzungsplanung und in Zulassungsentscheidungen für die verschiedensten Arten von potenziellen Chemikalien- und Schadstoffsquellen, von der Groβindustrieanlage bis zum Klein- und Mittelbetrieb, Hilfe leisten können. Ein international kompatibles Register wäre auβerdem von Vorteil bei der Festsetzung und Verfolgung internationaler Ziele und Engagements. Das Austauschen der gesammelten Daten kann den einzelnen Ländern helfen, ihre Bemühungen zur Risikoreduzierung zu maximieren.
Schlieβlich kann das Bestehen eines PRTRs als treibende Kraft zur Reduzierung der Umweltverschmutzung in vielen Wirtschaftssektoren entscheidend sein. Tatsächlich hat die Verbreitung der PRTR Daten zu einer Konkurrenz bei Reduzierung der Freisetzung von gefährlichen Chemikalien und/oder Schadstoffen zwischen den Erzeugern geführt. Letztendlich mag niemand von der Öffentlichkeit als absichtlicher Umweltverschmutzer oder als Mitwirkender von möglichen negativen Gesundheitseffekten angesehen werden.